Schläger & Ausrüstung

Gewicht auf 12 Uhr oder auf 3 und 9 Uhr? Dieselben vier Gramm wirken anders

Eine ruhigere Schlagfläche beim unsauberen Treffer und ein Schläger, der rechtzeitig am Ball ist, sind zwei verschiedene Wünsche. Das sollte vor dem ersten Streifen Gewichtstape geklärt sein.

Ein waagerecht gehaltener Pro-Staff-Schläger mit Gewichtstape am Kopf
Ein Pro Staff 6.0, aufgenommen im Februar 2008. Die ursprüngliche Bildbeschreibung nennt Tape auf 3, 9 und 12 Uhr. Dessen Masse und gemessene Schlägerwerte sind nicht angegeben. Das Foto zeigt nicht den Schläger aus dem beschriebenen Versuch.Naturalgut · CC BY-SA 3.0 · WebP

„Ein bisschen mehr Stabilität wäre gut.“ Das klingt nach einem klaren Auftrag. Bis man nachfragt, was beim letzten schwierigen Ball genau passiert ist: Hat sich die Schlagfläche verdreht, weil der Ball seitlich im Saitenbett traf? Wurde der ganze Schläger von einem schweren Ball zurückgedrückt? Oder kam der Kopf schlicht zu spät? All das wird gern mit demselben Wort beschrieben, verlangt aber nicht automatisch nach derselben Änderung.

Die Entscheidung zwischen Gewicht auf 12 Uhr und einer Aufteilung auf 3 und 9 Uhr hilft, diesen Unterschied sichtbar zu machen. Beide Varianten erhöhen die Masse im Kopf. Beide müssen anschließend bewegt werden. Doch ein Gramm weit vom Griff entfernt erfüllt eine andere Aufgabe als ein Gramm weit von der Längsmittellinie des Schlägers entfernt. Welche Platzierung besser ist, lässt sich erst sagen, wenn klar ist, welcher Drehbewegung man mehr Widerstand entgegensetzen möchte.

Zwei Drehachsen statt eines bloß „schweren“ Schlägers

Stellen Sie sich den Schläger aufrecht vor, mit dem Griff nach unten. Oben ist 12 Uhr, seitlich liegen 3 und 9 Uhr. Nun schwingt der Kopf gedanklich um eine Querachse nahe dem Griff nach vorn. Je weiter dieselbe Zusatzmasse zur Spitze wandert, desto größer wird ihr Abstand zu dieser Achse und damit ihr Beitrag zum gemessenen Schwunggewicht. Dieser Kennwert beschreibt die Trägheit um eine festgelegte Messachse. Er bildet nicht sämtliche Gelenkbewegungen eines echten Tennisschlags ab.

Die zweite Achse verläuft längs, vom Griff durch die Mitte des Kopfes. Ein seitlich getroffener Ball kann die Schlagfläche um diese Linie verdrehen. Das Trägheitsmoment um die Längsachse heißt Twistweight oder Verdrehträgheit. Masse an den Rahmenseiten liegt weiter von ihr entfernt als Masse genau in der Mitte der Spitze. Deshalb können zwei Schläger um dieselbe Gesamtmasse schwerer werden und trotzdem unterschiedlich viel Widerstand gegen dieses Verdrehen gewinnen.

Das heißt weder, dass Gewicht auf 12 Uhr nichts zur Stabilität beiträgt, noch, dass 3 und 9 Uhr das Schwunggewicht unangetastet lassen. Die erste Variante verändert ebenfalls Masse und Stoßverhalten. Bei der zweiten liegt das Gewicht weiterhin deutlich oberhalb des Griffs und erhöht somit auch das Schwunggewicht. Es geht um den relativen Effekt: Welche Eigenschaft verändert eine bestimmte Position besonders stark, gemessen an der hinzugefügten Masse?

Vier Gramm – und offen gelegte Annahmen

Für ein Rechenbeispiel nehmen wir einen hypothetischen Schläger und behandeln jede Portion Zusatzgewicht als Punktmasse. Die übliche Bezugsachse für das Schwunggewicht liegt 10 cm vom Griffende entfernt. Entweder kommen 4 g an die Spitze, 68,5 cm vom Griffende, oder jeweils 2 g an beide Seiten: längs bei 53 cm, seitlich jeweils 12 cm von der Mittellinie entfernt. Diese Maße dienen nur der Rechnung. Sie wurden weder an den fotografierten Schlägern gemessen, noch sind sie eine Empfehlung für jedes Modell.

Der zusätzliche Trägheitsbeitrag um eine feste Achse ergibt sich aus Masse mal dem Quadrat ihres senkrechten Abstands zur Achse. Mit Kilogramm und Zentimetern erhält man kg·cm². Im vereinfachten, ebenen Modell ohne Rahmendicke erhöht die Spitzenmasse das Schwunggewicht um 0,004 × 58,5² = 13,69. Beide Seitenmassen zusammen ergeben 0,004 × 43² = 7,40. Für das Verdrehen um die Längsachse beträgt ihr zusätzlicher Beitrag 0,004 × 12² = 0,576.

Berechnete Zuwächse für hypothetische Punktmassen. Keine Gesamtwerte eines Schlägers und keine gemessene Spielleistung.
Verteilung derselben 4 gZuwachs Schwunggewicht, kg·cm²Zuwachs Twistweight, kg·cm²
Alles auf 12 Uhr, genau auf der Längsmittellinie13,690 in dieser idealisierten Geometrie
Je 2 g auf 3 und 9 Uhr an den genannten Positionen7,400,576

Echtes Tape hat Länge, Breite und Dicke. Die Null in der ersten Zeile ist daher eine Idealisierung, kein zugesicherter Messwert. Die tatsächliche Masse sitzt nicht vollständig in einem Punkt auf der Mittellinie. Auch eine andere Kopfform oder ein längerer Streifen entlang des Rahmens verändert die Abstände. Das Beispiel erklärt, warum die Position zählt. Es sagt weder eine bestimmte Ballgeschwindigkeit noch eine prozentuale Verbesserung der Kontrolle voraus.

Ein Tennisschläger mit Ball auf dem Platz; Griff und Schlägerkopf sind sichtbar
Aufnahme vom Juni 2008. Der Abstand vom Griff zur Spitze und der seitliche Abstand im Kopf gehören zu unterschiedlichen Achsenbetrachtungen. Die Rechnung verwendet fiktive Maße, keine aus diesem Bild gewonnenen Messwerte.nao2g · CC BY 3.0 · WebP

Was ein Versuch mit außermittigen Treffern ergänzt

Rod Cross und Crawford Lindsey schossen für eine 2019 bei Tennis Warehouse University veröffentlichte Untersuchung Bälle gegen einen zunächst ruhenden, in der Hand gehaltenen Schläger. Seine Spitze lag leicht auf dem Boden auf. Bei wechselnden Bedingungen des ankommenden Balls verlagerten sie den Treffpunkt seitlich, aber auf gleicher Höhe. Nach einer breiteren Versuchsreihe konzentrierte sich die veröffentlichte Analyse auf 165 Treffer mit einem Schläger: einmal ohne Zusatzgewicht, einmal mit zwei Bolzen auf 3 und 9 Uhr.

Dabei ist die Größenordnung wichtig. Jeder Bolzen wog 13,4 g; insgesamt kamen 26,8 g zu einem 291-g-Schläger hinzu. Das ist erheblich mehr als in unserem Vier-Gramm-Beispiel. Die Bolzen verbesserten das Rückprallverhalten, das die Forscher mit der effektiven Masse am Treffpunkt in Verbindung brachten. Eine höhere effektive Masse bedeutet in ihrer Erklärung weniger Verdrehen, Rotation und Verschiebung des Schlägers während des Stoßes.

Daraus „Zwei Gramm hier reparieren Ihren Return“ zu machen, wäre ein Fehlschluss. Es spielten keine Menschen mit getunten Schlägern unter Matchbedingungen. Der Versuch ließ die Schlagbewegung bewusst weg, um das Stoßverhalten zu isolieren. Dennoch hatten Einfallswinkel und Drall des Balls großen Einfluss. In ihrem Fazit betonten die Autoren erneut die Bedeutung des ankommenden Balls und der Schlagbewegung. Ein stabilerer Zusammenstoß garantiert nicht, dass der Spieler seinen Schläger rechtzeitig dorthin bekommt.

Die andere Seite des Kompromisses zeigt Lindseys separate Doppelpendel-Untersuchung von 2014. Bei konstant zugeführter Energie sank die Schlägergeschwindigkeit durch zusätzliche Masse. Die Ballgeschwindigkeit konnte zunächst steigen und dann wieder sinken, wenn sich das Verhältnis von Rückprallpotenzial und Schwunggeschwindigkeit verschob. Das war ein mechanisches Modell, keine Untersuchung menschlicher Anpassung oder Ermüdung. Seine brauchbare Warnung ist genauer als „schwer ist langsam“: Den Vorteil beim Aufprall darf man nicht verbuchen und dabei den Aufwand zum Bewegen des neuen Aufbaus ausblenden.

An dem Ball vergleichen, der die Änderung ausgelöst hat

Geht es um eine Schlagfläche, die bei seitlichen Treffern wegdreht, hat Gewicht auf 3 und 9 Uhr eine nachvollziehbare mechanische Begründung. Soll das Schwunggewicht mit wenig Zusatzmasse deutlich steigen, ist die Spitze eine effiziente Position. Wer unter Druck ohnehin zu spät trifft, sollte mehr Kopfmasse dagegen nicht als kostenlosen Stabilitätsgewinn betrachten. Ein Gefühl kann besser werden, während sich das ursprüngliche Timingproblem verschärft.

Für einen Vergleich auf dem Platz empfehlen wir, Saitenaufbau, Griffaufbau und Ballzustand möglichst konstant zu halten und eine dokumentierte Änderung mit dem Ausgangszustand zu vergleichen. Notieren Sie die gesamte Zusatzmasse, nicht bloß die Länge des Tapes. Gleich lange Streifen verschiedener Produkte können unterschiedlich schwer sein. Beim Versuch auf 3 und 9 Uhr sollten beide Seiten symmetrisch bestückt werden. Gleiche Zusatzmasse ist hilfreich, um Positionen zu vergleichen; gleiches Schwunggewicht bedeutet sie nicht.

Beurteilen Sie den Aufbau an dem Ball, der ursprünglich gestört hat. Ein lockerer Ballwechsel kann einen Nachteil verbergen, der erst beim hastigen Return oder beim weit gestreckten Volley auffällt. Erreichen Sie weiterhin die gewünschte Treffposition? Wirkt die Reaktion der Schlagfläche bei seitlichen Fehltreffern berechenbarer? Bleibt der Vorteil auch später in der Einheit erhalten? Das sind Beobachtungspunkte und keine Ergebnisse, die wir für Sie gemessen hätten. Ein erneuter Wechsel zum Ausgangszustand kann zudem zeigen, wie viel bloße Neuheit im ersten Eindruck steckte.

Die Position des Tapes ist keine Rangliste guter und schlechter Anpassungen. Sie entscheidet, welcher Bewegung der Schläger mehr Widerstand entgegensetzt. Wer den Unterschied zwischen 12 Uhr und 3/9 Uhr kennt, kann den Wunsch nach mehr Stabilität sinnvoll vervollständigen: Gegen welche Bewegung, bei welchem Ball – und zu welchem Preis dafür, den Schläger rechtzeitig an den Treffpunkt zu bringen?

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Tennis Warehouse University — Racquet Control — Part 1
  2. Tennis Warehouse University — Effect of Customization on Swing and Ball Speed

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