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Diane Parrys einhändige Rückhand ist nur ein Teil des Reizes

Ein auffälliger Schlag provoziert schnelle Urteile. Ein guter Trainer fragt zuerst, welche Aufgabe er löst und was danach passiert.

Diane Parry mit ihrem Schläger auf einem Sandplatz bei Roland Garros 2018
Parry bei Roland Garros 2018. Archivfoto, keine Aufnahme aus einer Trainingseinheit 2026 und keine Bildfolge zur Technikanalyse.si.robi · CC BY-SA 2.0 · WebP

Bei einer einhändigen Rückhand beginnt die Diskussion oft, bevor der nächste Ball aufspringt. Waffe, Schwachstelle oder elegantes Überbleibsel einer anderen Zeit? Das Etikett ist schnell vergeben. Weniger hilfreich wird es, wenn die Spielerin inzwischen schon die Ballhöhe verändert, die Gegnerin nach vorn gelockt oder einen ganz anderen Schlag vorbereitet hat.

Diane Parry liefert einen guten Grund, dieses Urteil etwas aufzuschieben. In einem WTA-Porträt vom 9. Juli 2026 erzählte Thomas Högstedt, dass die Arbeit mit ihr seine Begeisterung für das Trainersein neu geweckt habe. Er nannte sowohl ihre einhändige Rückhand als auch ihr ausgeprägtes Ballgefühl. Das sind zwei Beobachtungen. Die Zahl der Hände am Schläger sieht man sofort; welche brauchbaren Lösungen eine Spielerin mit dem Ball entwickeln kann, ist die größere Aufgabe für einen Trainer.

Högstedts Aussage belegt keine Überlegenheit der einhändigen Rückhand. Das Porträt lieferte weder einen Schlag-für-Schlag-Vergleich bei Parry noch die Ankündigung eines technischen Umbaus. Auch wurde kein konkretes Turnierergebnis einer einzelnen Änderung zugeschrieben. Interessant ist die Perspektive eines Trainers, der unter anderem mit Maria Scharapowa, Li Na und Caroline Wozniacki gearbeitet hat und sich trotzdem neu auf einen anderen Stil einlassen möchte.

Vielfalt muss die Aufgabe der Gegnerin verändern

Man kann mehrere Schläge beherrschen und dennoch berechenbar spielen. Eine Topspin-Rückhand, ein Slice und ein kurzer Ball werden erst dann zu sinnvoller Variation, wenn die Wahl verändert, was die Gegnerin tun muss. Möglichkeiten zu zeigen und eine Möglichkeit begründet einzusetzen sind unterschiedliche Dinge. Weder eine noch zwei Hände verleihen einem Schlag allein durch sein Aussehen taktischen Wert.

Ein gedachter Ballwechsel: Ein Spieler wählt einen flacheren, kürzeren Ball, weil sein Gegner ständig bequem aus derselben tiefen Position schlägt. Muss dieser nun nach vorn und den Ball auf einer anderen Höhe treffen, hat sich seine Aufgabe verändert. Ob die Wahl gut war, hängt anschließend von der Qualität des Balls und der eigenen Platzabdeckung ab. Ein schwebender Slice, der einen leichten Angriff ermöglicht, wird nicht schon deshalb klug, weil er den Rhythmus unterbrochen hat.

Genauso wichtig ist der nächste Schlag. Der kurze Ball kann eine erreichbare Antwort auslösen. Wer dann aber noch mit der Rückkehr aus der eigenen Schlagbewegung beschäftigt ist, verliert die Gelegenheit. Liest man die Antwort früh und kommt im Gleichgewicht an, kann dieselbe Idee funktionieren. Das sind redaktionelle Beispiele, keine Rekonstruktion von Parrys Matchmustern. Ballgefühl beurteilt man auch daran, was nach dem sehenswerten Kontakt geschieht.

Diane Parry in Bereitschaft auf Sand in einer Fotoserie von Roland Garros 2019
Parry auf einem Archivbild von Roland Garros 2019. Ein einzelnes Foto verrät weder Höhe und Tempo des ankommenden Balls noch den Ausgang des Ballwechsels. Für eine technische oder taktische Bewertung braucht man diese Informationen.si.robi · CC BY-SA 2.0 · WebP

Die sinnvolle Einheit ist eine Spielsituation

Ein erfahrener Vereinsspieler sagt vielleicht, seine Rückhand sei die schwache Seite, und meint damit mehrere Probleme. Ein Return unter Zeitdruck, ein Rallyball oberhalb der bevorzugten Treffhöhe, ein tiefer Angriffsball und ein neutraler Schlag mit ausreichend Zeit sind verschiedene Aufgaben. Alles als Rückhandfehler zu erfassen macht die Schlussfolgerung einfacher als die Arbeit, die zur Verbesserung nötig wäre.

Beginnen Sie beim ankommenden Ball und bei der Position im Treffmoment. War Zeit zur Vorbereitung? Hatte der Spieler Platz geschaffen oder kam der Ball zu nah an den Körper? Sollte die Antwort neutralisieren, angreifen oder nur das Weiterspielen ermöglichen? Erst danach wird die Schlagwahl zur hilfreichen Information. Die Technik verschwindet damit nicht aus der Analyse. Sie wird in die Situation eingeordnet, die sie lösen soll.

Bei einer einhändigen Rückhand verhindert dieser Blick zwei wenig hilfreiche Extreme. Das eine schützt den Schlag vor jeder Kritik, weil er schön aussieht. Das andere behandelt jeden Fehler als Beweis, dass eine Hand zu benutzen der ursprüngliche Irrtum war. An wiederkehrenden Schwierigkeiten muss gearbeitet werden. Die gesamte Schlagart zu wechseln ist aber eine viel größere Entscheidung, als die Antwort auf einen bestimmten Ball anzupassen.

Högstedt bereitet auf den nächsten Gegner vor

Das WTA-Porträt beschrieb einen konkreten Bestandteil seiner Vorbereitung: Högstedt schickt seinen Spielern Videos des nächsten Gegners und richtet das Training an den Anforderungen dieses Duells aus. Das ist genauer als die pauschale Forderung nach besserem Tennis. Es verbindet die eigenen Möglichkeiten mit den Aufgaben, die jemand auf der anderen Netzseite voraussichtlich stellen wird.

Im selben Bericht sprach er davon, für jeden Spieler die passende Balance zu finden. Nicht jede Verbindung zwischen Spieler und Trainer funktioniere. Gerade bei einem eigenständigen Stil ist das relevant. Frühere Erfolge machen ein technisches oder taktisches Muster nicht automatisch für jeden geeignet. Die Arbeit besteht darin, nützliche Optionen zu entwickeln und jene Situationen zu verbessern, in denen sie nicht mehr greifen.

Ein Vereinsspieler muss dafür keine professionelle Videoabteilung nachbilden. Wenn Aufnahmen eines regelmäßigen Gegners vorliegen, die Sie berechtigt nutzen dürfen, suchen Sie ein wiederkehrendes Muster für die nächste Trainingseinheit. Vielleicht returniert der Gegner häufig hoch durch die Mitte oder geht einem kurzen Ball ans Netz nach. Eine kleine Stichprobe ist ein Anlass zur Vorbereitung, keine Garantie für denselben Ablauf in jedem Punkt.

Eine Übung, die Entscheidungen offenlässt

Die folgende Idee können Spieler und Trainer anpassen. Sie ist ein redaktioneller Vorschlag und wird nicht Parry oder Högstedt als tatsächliche Übung zugeschrieben. Beginnen Sie mit einem vertrauten Ballwechsel. Der Partner variiert dann eine Eigenschaft des ankommenden Balls: Höhe, Länge oder verfügbare Zeit. Die Veränderungen sollten erkennbar und bewältigbar bleiben. Der Empfänger wählt seine Antwort und spielt den nächsten Abschnitt des Punktes weiter.

Besprechen Sie anschließend zwei Fragen getrennt: Passte die Entscheidung zum Ball, und entsprach die Ausführung der Absicht? Ein sinnvoller neutraler Schlag kann im Aus landen; ein unpassend gewählter Angriff kann zum Winner werden. Wenn jeder direkte Punktgewinn eine gute Entscheidung bestätigt und jeder Fehler eine schlechte, lehrt die Übung nur rückblickendes Urteilen. Gesucht wird eine Option, die auch bei einem weniger angenehmen Ball noch verwendbar ist.

Fassen Sie die nächste Trainingsaufgabe eng. Fehlte Raum, arbeiten Sie mit dem Trainer an einer brauchbaren Position zum Ball. War die erste Antwort ordentlich, aber die Rückbewegung öffnete den Platz, gehört die anschließende Bewegung zur Übung. Funktionierte der kurze Ball nur, weil der Partner stehen blieb, wiederholen Sie die Situation mit einem aktiven Gegner. Bestehende Optionen nutzbar zu machen erfordert nicht zuerst einen spektakulären neuen Schlag.

Material gehört in die Diskussion, wenn es eine wiederkehrende Schwierigkeit erklären hilft. Ein optischer Eindruck reicht jedoch nicht, um einen anderen Schläger oder eine neue Besaitungshärte zu empfehlen. Das WTA-Porträt enthält dafür keine Messdaten zu Parrys Setup. Wer Schläger, Saiten und Bewegung gleichzeitig ändert, hat außerdem mehrere mögliche Erklärungen für ein neues Gefühl. Klären Sie die Trainingsfrage, bevor aus einer ungewöhnlichen Rückhand eine Einkaufsliste wird.

Parrys einhändige Rückhand fällt auf, weil man sie sofort erkennt. Högstedts Hinweis auf ihr Ballgefühl lenkt den Blick auf etwas, das längeres Zuschauen verlangt: Welche Möglichkeiten schafft die Spielerin, und bestehen sie auch beim nächsten Ball? Für ambitionierte Freizeitspieler ist das der hilfreichere Maßstab. Ziel ist nicht, einen Streit über die richtige Zahl der Hände zu gewinnen. Ziel ist ein Ball samt Fortsetzung, mit dem der Gegner lieber nicht umgehen müsste.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. WTA — Starting in Sweden, Thomas Hogstedt’s coaching legacy is now worldwide

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