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Zverev gewann 39 von 42 Punkten nach dem ersten Aufschlag. Das ist keine Ass-Statistik

In den ersten beiden Sätzen verlor Shelton fast jeden Punkt, den Zverev mit einem gültigen ersten Aufschlag eröffnete. Entscheidend ist, was ein Aufschlag noch bewirkt, wenn der Return zurückkommt.

Alexander Zverev schlägt bei der Qualifikation zu den US Open 2015 eine beidhändige Rückhand
Zverev am 27. August 2015 in der Qualifikation zu den US Open. Das Archivfoto entstand elf Jahre vor dem hier analysierten Finale und zeigt nicht die Partie gegen Shelton von 2026.Steven Pisano · CC BY 2.0 · WebP

In den ersten beiden Sätzen des US-Open-Finales 2026 ließ Alexander Zverev Ben Shelton hinter seinem ersten Aufschlag kaum eine Chance. Nach Angaben von BBC Sport gewann Zverev 39 der 42 Punkte, die er mit einem gültigen ersten Aufschlag begonnen hatte. Gerade einmal drei gingen an Shelton. Erst Mitte des dritten Satzes stand Zverev zum ersten Mal einem Breakball gegenüber. Am Ende gewann er 6:3, 7:6 (2), 5:7, 6:2.

Die Szene, die sich besonders gut weitererzählen ließ, kam ganz zum Schluss: Zverev bereitete sich zunächst auf einen weiteren Punkt vor, ehe sein Team ihm klarmachte, dass das Match bereits beendet war. Die unscheinbarere Zahl aus den ersten beiden Sätzen verdient aber ebenso viel Aufmerksamkeit. Sein erster Aufschlag war zu einem bemerkenswert verlässlichen Einstieg in einen gewonnenen Punkt geworden – unabhängig davon, ob der Ballwechsel sofort endete.

39 geteilt durch 42 ergibt rund 92,9 Prozent. Das ist der Anteil der Punkte, die Zverev in diesem Abschnitt gewann, nachdem sein erster Aufschlag im Feld gelandet war. Es ist weder seine Quote gültiger erster Aufschläge noch sein Ass-Anteil und auch nicht seine Erfolgsquote über alle vier Sätze. Von dieser Unterscheidung hängt ab, was ein Spieler aus der Zahl sinnvoll für sich ableiten kann.

Auch ein retournierter Aufschlag kann seine Aufgabe erfüllt haben

Ein direkter Aufschlagpunkt ist leicht zu erkennen. Ein zu kurzer Return, der dem Aufschläger einen einfachen nächsten Ball verschafft, wirkt weniger spektakulär, kann auf der Anzeigetafel aber genauso wertvoll sein. Selbst ein längerer Return kann einen kleinen Vorteil bestehen lassen, mit dem sich weiter Druck ausüben lässt. Die Quote gewonnener Punkte bündelt diese unterschiedlichen Wege in einem Ergebnis. Sie sagt, dass die Abfolge erfolgreich war, verrät jedoch nicht, welcher Weg zu welchem Punkt geführt hat.

Der Finalbericht der BBC stellt Zverevs ersten Aufschlag in Zusammenhang mit seiner Fähigkeit, in den Grundlinienduellen Sheltons weniger sichere Rückhand zu bearbeiten. Das stützt die Einordnung, dass Aufschlagstärke und wirksames Spiel im Ballwechsel zusammenkamen. Daraus folgt aber nicht, dass alle 39 Punktgewinne auf dieselbe Aufschlagrichtung oder denselben zweiten Schlag zurückgingen. Die hier verwendeten Berichte liefern keine Schlag-für-Schlag-Karte dieser Punkte. Eine solche sollten wir ihnen nicht nachträglich zuschreiben.

Deshalb hilft der Begriff „Aufschlag plus eins“ nur dann, wenn dieses „plus eins“ eine echte Entscheidung bleibt. Man kann sich auf einen wahrscheinlichen Folgeschlag einstellen, ohne unabhängig vom Return immer dieselbe Vorhand spielen zu wollen. Kommt die Antwort länger, weiter außen oder flacher als erwartet, gehört die Anpassung dazu, den Aufschlagvorteil zu nutzen. Ein einstudiertes Muster wird anfällig, wenn der erste unerwartete Return als Fehler des Gegners im vorgesehenen Ablauf behandelt wird, statt als neue Information.

Ben Shelton lächelt bei einer Pressekonferenz der Swiss Indoors 2025 in Basel
Shelton bei einer Pressekonferenz 2025 in Basel. Archivporträt. Im US-Open-Finale 2026 gewann er den dritten Satz, obwohl Zverev zu Beginn hinter dem ersten Aufschlag außergewöhnlich erfolgreich gewesen war.Skyscraper2010 · CC BY-SA 4.0 · WebP

Der dritte Satz ist für diese Einordnung wichtig. Shelton gelang spät das Break, mit dem er die Partie verlängerte. Eine überragende Quote aus zwei Sätzen hatte weitere Aufschlagspiele also nicht automatisch gesichert. Nach dem Satzgewinn gab Shelton allerdings gleich zu Beginn des vierten Durchgangs seinen Aufschlag ab. Nach Angaben der BBC gewann er in diesem letzten Satz nur vier von 20 Returnpunkten. Diese zweite Zahl umfasst sämtliche Returnpunkte des vierten Satzes. Sie darf nicht mit den früheren 39 von 42 Punkten nach Zverevs erstem Aufschlag vermischt werden.

Auch eine dominante Leistung besteht aus verschiedenen Phasen, und ihre Kennzahlen können unterschiedliche Bezugsgrößen haben. Wer eine einzelne Zahl für das gesamte Match stehen lässt, übersieht die Anpassung, die den Wettbewerb vorübergehend enger machte. Bei der Auswertung eines Mannschaftsspiels kann eine solche Trennung mehr zeigen als eine beeindruckende Gesamtsumme: Ab wann zwang der Rückschläger dich zu mehr Arbeit, und wie hast du im nächsten eigenen Aufschlagspiel darauf reagiert?

Eine bessere Erstaufschlag-Statistik muss keinen besseren Gesamtertrag bedeuten

Zu jeder Quote gewonnener Punkte nach dem ersten Aufschlag gehört eine zweite Angabe: Wie oft kommt dieser erste Aufschlag überhaupt ins Feld? Wer härter serviert, kann nach gelungenen ersten Aufschlägen häufiger punkten und gleichzeitig viel öfter auf den zweiten Aufschlag angewiesen sein. Um das gesamte Aufschlagspiel zu beurteilen, müssen beide Fälle berücksichtigt werden. Das folgende Beispiel ist frei erfunden und dient ausschließlich dazu, die Rechnung zu zeigen. Es enthält weder Zverevs Daten noch Ergebnisse eines Trainingsversuchs und ist keine Prognose.

Zwei hypothetische Aufschlagprofile mit demselben Gesamtergebnis. In den Punkten nach einem Fehler beim ersten Aufschlag zählen Doppelfehler als verlorene Punkte mit.
KennzahlProfil AProfil B
Erste Aufschläge im Feld60 %45 %
Punkte gewonnen, wenn der erste Aufschlag im Feld ist75 %85 %
Punkte gewonnen nach einem Fehler beim ersten Aufschlag45 %45 %
Gewonnene Punkte bei eigenem Aufschlag insgesamt63 %63 %

Für Profil A lautet die gewichtete Rechnung 0,60 × 0,75 + 0,40 × 0,45 = 0,63. Für Profil B ergibt sich 0,45 × 0,85 + 0,55 × 0,45 = 0,63. Profil B gewinnt nach einem gültigen ersten Aufschlag einen deutlich größeren Anteil der Punkte. Insgesamt bringt das in diesem Beispiel jedoch keinen Gewinn, weil dieser Fall seltener eintritt. Auch identische Gesamtquoten bei den Punkten garantieren noch keine identischen Ergebnisse bei den Spielen: Die Reihenfolge der Punkte und die Leistung bei bestimmten Spielständen können sich unterscheiden.

Daraus folgt nicht, dass jeder erste Aufschlag langsamer geschlagen werden sollte. Eine andere Richtung, ein anderer Drall oder ein anderes Tempo kann die gesamte Aufschlagsequenz durchaus verbessern. Entscheidend ist, die gewünschte Wirkung zu messen, statt sich auf die schmeichelhafte Zahl zu konzentrieren, die gerade ins Auge fällt. Die Anzahl der Asse sagt etwas aus, die Quote gewonnener Erstaufschlagpunkte etwas anderes. Wie oft der erste Aufschlag im Feld landet, entscheidet wiederum darüber, wie häufig sein Nutzen überhaupt zur Verfügung steht.

Die veröffentlichte Passage zu den 39 von 42 Punkten enthält nicht alle Angaben, die nötig wären, um Zverevs vollständiges Aufschlagprofil aus den ersten beiden Sätzen zu rekonstruieren. Es gibt keinen Grund, die fehlenden Werte zu schätzen. Richtig eingeordnet bleibt die Aussage enger und dennoch eindrucksvoll: Wenn Zverev in dieser Phase den ersten Aufschlag traf, gewann Shelton nur selten den Punkt. Der Matchbericht liefert anschließend den Kontext dafür, was rund um diese Dominanz geschah.

Alexander Zverev hält während der Qualifikation zu den US Open 2015 Tennisbälle neben seinem Schläger
Zverev zwischen zwei Punkten in der Qualifikation zu den US Open am 27. August 2015. Archivfoto. Eine aussagekräftige Aufschlagbilanz beginnt schon vor dem gelungenen Versuch: Auch verschlagene erste Aufschläge gehören dazu.Steven Pisano · CC BY 2.0 · WebP

Den Return im Aufschlagtraining mitspielen lassen

Aufschläge auf Ziele zu trainieren kann die Platzierung verbessern. Ein leeres Feld auf der anderen Netzseite zeigt aber nicht, welche Situation der Aufschlag tatsächlich erzeugt. Für einen eigenen Trainingsblock sollte deshalb ein Partner retournieren und jeder Punkt ausgespielt werden. Notiere, ob der erste Aufschlag im Feld war und wer am Ende den Punkt gewann. Bei den retournierten Aufschlägen kommt eine einfache Beobachtung zum nächsten Ball hinzu: klare Angriffschance, weitgehend ausgeglichener Ballwechsel oder sofortige Bedrängnis. Das sind praktische Arbeitskategorien, kein offizielles Erfassungssystem.

Gesucht ist die Lücke zwischen einem guten Beginn und einem erfolgreich abgeschlossenen Punkt. Vielleicht erzwingst du kurze Returns, überhastest anschließend aber die Vorhand. Vielleicht kommen die Returns regelmäßig tief, und der vermeintliche Vorteil war gar nicht vorhanden. Oder ein Körperaufschlag bringt kaum Asse, hinterlässt aber immer wieder einen bequemen Ball durch die Mitte. Jede dieser Beobachtungen verlangt andere Arbeit. Mehr Geschwindigkeit ist keine allgemeingültige Antwort auf alle drei.

Vergleiche jeweils nur eine Absicht unter einigermaßen ähnlichen Returnbedingungen. Wenn du Ziel, Trainingspartner, Bälle und Tempo gleichzeitig wechselst, kann das Ergebnis interessant, aber schwer zu erklären sein. Zähle Fehler und Doppelfehler mit, und beende die Übung nicht schon in dem Moment, in dem der erste Aufschlag gelingt. Eine kleine Trainingsstichprobe bildet kein Grand-Slam-Finale nach. Sie kann aber sichtbar machen, welcher Abschnitt deiner eigenen Schlagfolge Aufmerksamkeit braucht.

Gehört ein anderer Schläger oder eine neue Besaitung zum Vergleich, sollte auch das notiert werden. Ein verändertes Spielgefühl kann sich auf den Aufschlag, die kompakte Reaktion auf den Return und die Bereitschaft auswirken, beim nächsten Grundschlag zu beschleunigen. Halte solche Materialbeobachtungen auf die konkreten Ballkontakte bezogen. Keiner der zitierten Matchberichte nennt Zverevs genaue Besaitungshärte oder belegt, dass eine Materialänderung seinen Erfolg nach dem ersten Aufschlag verursacht hat.

Zverevs 39 gewonnene Punkte sind ein eindrucksvolles Ergebnis, keine Zielvorgabe für Vereinsspieler und kein Rezept, das sich aus einem Highlightvideo übernehmen lässt. Nützlich ist die Gewohnheit, einen Aufschlag bis zu seinen Folgen zu betrachten. Zähle, ob er im Feld landet, beobachte den Return und prüfe, ob du aus der entstandenen Position tatsächlich den Punkt gewinnst. Manchmal zeigt sich die beste Arbeit eines Aufschlags erst beim nächsten Schlag.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. BBC Sport — US Open 2026 results: How Alexander Zverev turned tears into triumph in New York
  2. BBC Sport — US Open 2026 results: Alexander Zverev beats Ben Shelton for second Grand Slam title

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