Paolini und Errani: Was sie einander geben
Nach der Einzelniederlage noch einmal antreten, einen überraschenden Aufschlag vorher teilen, gemeinsam das erste Major gewinnen: Diese Partnerschaft wirkt in beide Richtungen.

Sara Errani spielte beim Matchball gegen Polen einen Aufschlag von unten. Jasmine Paolini wusste vorher Bescheid. Nach dem entscheidenden Doppel bei den Billie Jean King Cup Finals im November 2024 erklärte Errani, sie habe ihre Partnerin nach dem ersten Aufschlag informiert. Für die Gegnerinnen war es eine Überraschung; Paolini konnte sich bereits auf den nächsten Ball einstellen.
Paolini hatte zuvor ein Einzel über drei Sätze gegen Iga Swiatek verloren. Mit Errani gewann sie anschließend gegen Swiatek und Katarzyna Kawa 7–5, 7–5 und brachte Italien ins Finale. Aus einer Aufgabe, die sie allein lösen musste, wurde eine andere, gemeinsam getragene. Die Partnerschaft nur als Unterricht einer erfahrenen Spielerin für eine jüngere zu verstehen, greift deshalb zu kurz. Auch Paolini brachte etwas mit: die Kraft für einen weiteren Einsatz nach dem anstrengenden Einzel.
Im Oktober 2026 laufen beide Spielpläne weiter nebeneinander. Am 17. verloren Errani und Paolini das Doppelhalbfinale von Wuhan gegen Storm Hunter und Katerina Siniakova mit 7–5, 5–7, [10–12]. Am 20. schlug Paolini Anhelina Kalinina im Einzel von Ningbo 6–2, 7–5. Enttäuschung in einem Wettbewerb und eine neue Gelegenheit im anderen passen in dieselbe Woche. Wer nur ihre Einzelresultate verfolgt, übersieht einen wichtigen Teil ihres Berufsalltags.
Die gemeinsame Zeit gehört zur Zusammenarbeit
Ihren ersten gemeinsamen Tourtitel gewannen sie 2023 in Monastir. Im folgenden Jahr besiegten sie als ungesetztes Team in Rom vier gesetzte Paarungen. Im Finale gegen Coco Gauff und Erin Routliffe lagen sie im Match-Tiebreak 6–8 zurück und holten die letzten vier Punkte zum 6–3, 4–6, [10–8]. Die späteren Siegerinnen waren kurz zuvor noch dicht an einer Niederlage gewesen.
Paolini verwies in der Pressekonferenz auf Entscheidungspunkte bei Einstand und Match-Tiebreaks, als sie die Unberechenbarkeit des Tourdoppels erklärte. Schon die erste Runde hätte das Ende sein können. Aus solchen Verläufen lässt sich vor allem mitnehmen, dass trotz Rückstand eine nächste Aufgabe bleibt: ein Aufschlag, eine Position, die Vorbereitung auf den Return.
Errani betonte gegenüber WTA Insider den Alltag mit einer Freundin. Jemanden zum Reden, Essen und gemeinsamen Erleben in der Nähe zu haben, helfe im Einzel wie im Doppel. Das ist Unterstützung zwischen den Ergebnissen. Mit dem nächsten Turnier wechseln Ort und Gegnerinnen, aber nicht zwangsläufig die Person, mit der man den Tag verbringt.
Partnerschaften hatten Erranis Karriere schon lange geprägt. Mit Roberta Vinci gewann sie zwischen 2012 und 2014 alle vier Doppelmajors. Paolini konnte von diesem Wissen profitieren. Trotzdem musste das neue Team seine eigenen Verbindungen herstellen: Erranis Entscheidungen am Netz brauchten einen passenden nächsten Ball von Paolini. Erfahrung musste mit einer anderen Partnerin wieder praktisch werden.

Paolini war dabei nicht nur Empfängerin. Nach dem Roland-Garros-Titel 2025 bedankte sich Errani für die gute Energie, die ihre Partnerin jeden Tag mitbringe. Paolini wiederum würdigte Erranis Beitrag zu ihrer Entwicklung. Man muss ihre Rollen nicht dauerhaft in Wissen und Begeisterung aufteilen. Entscheidend ist die Richtung: Beide beschrieben etwas, das sie von der anderen bekamen.
Ein Durchbruchsjahr mit unterschiedlichen Aufgaben
Vor 2024 hatte Paolini noch kein Einzel auf Tour-Ebene auf Rasen gewonnen. Dann schlug sie Donna Vekic in Wimbledon 2–6, 6–4, 7–6(8) und erreichte das Finale. Die 2 Stunden und 51 Minuten waren damals die längste Halbfinalpartie im Dameneinzel der Championships. Einen Monat nach dem Endspiel von Roland-Garros gelang ihr derselbe Schritt auf einem deutlich anderen Belag.
Der damalige WTA-Bericht beschreibt, wie breit ihr Spiel dabei wurde. Auf Vekics Stopps antwortete Paolini mit Lobs und Volleys. Nach schwieriger Abwehr suchte sie die Chance, wieder mit der Vorhand anzugreifen. Beim 4–4 im zweiten Satz folgte auf einen defensiven Lob ein verschlagener Schmetterball von Vekic. Paolini hielt ihr Aufschlagspiel und erhöhte danach beim Return den Druck.
Daraus lässt sich kein genauer Trainingseffekt des Doppels auf ihr Einzel berechnen. Sichtbar wird jedoch mehr als bloßes Zurückspielen von der Grundlinie. Paolini konnte Höhe und Position verändern und nach einer Abwehr wieder angreifen. Im Doppel ebenfalls benötigte Schläge standen ihr im Einzel zur Verfügung; die Verantwortung für den Raum nach dem Schlag war eine andere.

Das Olympiafinale in Paris im August zeigte die geteilte Verantwortung. Nach verlorenem Auftaktsatz gewannen Errani und Paolini gegen Mirra Andreeva und Diana Shnaider 2–6, 6–1, [10–7]. WTA hob ihre verbesserten Grundschläge und Positionen sowie Erranis Lobs und Volleys im entscheidenden Match-Tiebreak hervor.
Gegen Vekic hatte Paolini die Angriffe allein bearbeiten müssen. In Paris half Errani bei den Aufgaben am Netz und über Kopfhöhe. Paolinis Angriff konnte ihrer Partnerin eine Position eröffnen, Erranis Höhe und Gefühl wiederum den nächsten Ballwechsel verändern. Für Paolini brachte das olympisches Gold, für Errani den vollständigen Career Golden Slam im Damendoppel.
Andere Siege entstanden anders. Nach dem Finale in Peking im Oktober erzählte Paolini lachend, im zweiten Satz den eigenen Aufschlag nicht gehalten zu haben. Dafür habe das Team besser returniert und die Richtungen der Gegnerinnen besser erkannt. Nach den verlorenen Aufschlagspielen blieb ihnen eine gemeinsame Aufgabe im nächsten Returnspiel.
Zwischen Einzel und Doppel liegt auch Erholung
Der Billie Jean King Cup im November bündelte Nutzen und Belastung an einem Tag. Paolini erspielte sich gegen Swiatek 16 Breakchancen, verlor das Einzel aber 6–3, 4–6, 4–6. Anschließend erkannte sie an, dass Swiatek in wichtigen Momenten ihr Niveau angehoben hatte, vor allem beim Aufschlag. Das noch ausstehende Doppel löste die Enttäuschung darüber nicht einfach auf.
Paolini berichtete, in der Kabine mit dem Physio möglichst schnell an der Erholung gearbeitet zu haben. Sie habe sich immer wieder an die nötige Energie für das Doppel erinnert; auch die italienische Mannschaft auf der Bank habe geholfen. Wer zwei Disziplinen nur als zusätzliche Spielpraxis zählt, lässt diese Zwischenzeit aus. Körper und Aufmerksamkeit mussten erneut bereit sein.
Auch im Doppel war es eng. Die Italienerinnen wehrten im ersten Satz drei Satzbälle ab und gewannen im zweiten ab 1–5 sechs Spiele in Folge. Ganz am Ende stand der Aufschlag von unten. Errani beschrieb ihn als Entscheidung aus dem Gefühl heraus und sagte zugleich, dass sie Paolini nach dem ersten Aufschlag eingeweiht hatte. Spontaneität und gemeinsame Vorbereitung konnten nebeneinander bestehen.
Die Information machte den ungewöhnlichen Aufschlag zu einer Entscheidung, auf die beide reagieren konnten. Errani wählte die Eröffnung, Paolini bereitete sich auf die Fortsetzung vor. Ihre Rollen waren konkreter als die Etiketten Angriff und Abwehr. Es ging um den nächsten Ball und darum, wer dafür welche Aufgabe hatte.

In Roland-Garros 2025 erklärte Errani eine andere Anpassung an die Belastung. Einzel und Doppel zusammen seien körperlich und mental zu anstrengend geworden; Doppel und Mixed hätten Vorrang. Nach der Qualifikation bei diesem Turnier endete ihre Einzelkarriere. Die Zusammenarbeit mit Paolini bot einen anderen Schwerpunkt für die Fortsetzung ihrer Laufbahn.
Das gemeinsame Team führte also nicht zu identischen Karriereplänen. Paolini hielt am Doppel fest, während sie große Einzelbühnen erreichte. Errani bündelte ihre Kräfte stärker im Doppel. Die eine konnte ihre Möglichkeiten erweitern, die andere ihre Wettbewerbe gezielter auswählen. Auf derselben Platzhälfte fanden beide trotzdem zusammen.
Ein Pokal an zwei verschiedenen Punkten der Laufbahn
Im Finale von Roland-Garros 2025 schlugen sie Anna Danilina und Aleksandra Krunic 6–4, 2–6, 6–1. Für Paolini war es der erste Major-Titel überhaupt, nach den verlorenen Einzel- und Doppelendspielen in Paris und dem Einzelfinale von Wimbledon im Vorjahr. Errani gewann am Ort ihres gerade beendeten Einzelkapitels einen Titel, der ihre Gegenwart im Doppel bestätigte.
Im Entscheidungssatz kamen wichtige Schläge von beiden. Laut WTA verwandelte Paolini in einem langen Returnspiel den vierten Breakball mit der Vorhand zum 2–0. Zwei Spiele später wurde eine Vorhand von Errani mit Hilfe der Netzkante zum Winner auf dem Weg zum 4–0. Die entscheidenden Namen wechselten. Eine einseitige Erzählung über die führende Veteranin passt dazu schlecht.
Paolini dankte für Einfluss und Inspiration, Errani für die tägliche Energie. Beide hielten denselben Pokal, hatten von der Zusammenarbeit aber Verschiedenes erhalten. Ihre Worte erklären die Partnerschaft genauer als der allgemeine Hinweis, dass zwei Freundinnen gern zusammen Doppel spielen.
| Zeit und Turnier | Ergebnis | Blick auf die Rollen |
|---|---|---|
| Mai 2024, Rom | Doppeltitel: 6–3, 4–6, [10–8] | Unter Druck die nächste Aufgabe erfüllen |
| Juli 2024, Wimbledon | Einzelfinale erreicht: 2–6, 6–4, 7–6(8) | Lob, Volley und Vorhand nach der Abwehr |
| August 2024, Paris | Doppelgold: 2–6, 6–1, [10–7] | Unterschiedliche Möglichkeiten auf einer Seite |
| November 2024, Billie Jean King Cup | Doppelsieg gegen Polen: 7–5, 7–5 | Erholung und Absprachen nach dem Einzel |
| Juni 2025, Roland-Garros | Doppeltitel: 6–4, 2–6, 6–1 | Erstes Major und fortgesetzte Doppelkarriere |
| Oktober 2026, Wuhan und Ningbo | Doppelhalbfinale, danach Einzelauftaktsieg | Getrennte Resultate, erneute Vorbereitung |
Im Oktober 2026 reichte die eingespielte Zusammenarbeit in Wuhan nicht für den letzten Match-Tiebreak. In Ningbo machte Paolini dagegen aus 0–5 im zweiten Satz noch 7–5. Beide Resultate auf eine einzige Vertrauenskurve zu reduzieren wäre wenig hilfreich. Interessanter ist, welche Aufgabe der nächste Ball unter den jeweiligen Bedingungen stellte.
Stand 21. Oktober nennt das offizielle Ningbo-Tableau Iva Jovic als nächste Gegnerin; Spielstatus und Beginn folgen den Turnieraktualisierungen. Im Einzel lohnt sich der Blick auf den Ball, nach dem Paolini wieder ihre angreifende Vorhand aufbauen kann. Im Doppel kommt Erranis Position für den folgenden Austausch hinzu. Die weitergegebene Erfahrung und die zurückkommende Energie helfen beiden, unterschiedliche nächste Aufgaben vorzubereiten.
Quellen und weiterführende Informationen
- WTA — Paolini outlasts Vekic in record-breaking Wimbledon semifinal
- WTA Insider — Champions Corner: Errani and Paolini in Rome
- ASAP Sports / Internazionali BNL d’Italia — Rome doubles champions press conference,19 May2024
- WTA — Errani and Paolini win Olympic doubles gold
- WTA — Italy advances after deciding doubles against Poland
- ASAP Sports / Billie Jean King Cup — Team Italy press conference,19 November2024
- ASAP Sports / China Open — China Open doubles champions press conference,6 October2024
- Roland-Garros — Pride in Paris as Errani begins perfect send-off
- Roland-Garros — Viva Italia as Errani-Paolini prevail
- WTA — Errani and Paolini win French Open doubles title
- WTA — Wuhan2026 completed women’s doubles draw
- Sky Sport Italia — Errani/Paolini eliminated in Wuhan last four
- WTA — Ningbo2026 singles draw,20 October release
- Sky Sport Italia — Paolini defeats Kalinina at Ningbo
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